Kranke Bienen erkennen und richtig handeln: Ein Überblick über die wichtigsten Bienenkrankheiten

Wer imkert, kommt um das Thema Krankheiten nicht herum. Bienen können durch ganz unterschiedliche Erreger erkranken – durch Viren, Bakterien, Pilze oder andere Organismen. Fachlich unterscheidet man dabei zwischen Brutkrankheiten und Krankheiten der erwachsenen Bienen. Beide Gruppen haben eines gemeinsam: Sie können ein Volk schwächen oder es sogar zum Absterben bringen.

Ein Punkt, der in der Praxis oft unterschätzt wird: In Deutschland sind Medikamente ausschließlich zur Behandlung der Varroose zugelassen. Für alles andere gibt es also kein Mittelchen aus dem Regal. Genau deshalb kommt den imkerlichen Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Völker eine so große Bedeutung zu – und dem genauen Hinsehen am Bienenstand.

Varroa: der bedeutendste Schädling weltweit

Varroa destructor ist ein äußerer Parasit der Honigbiene. Die Milbe ist etwa 1,1 mm lang und 1,6 mm breit – also mit bloßem Auge erkennbar, wenn man weiß, wonach man sucht. Entscheidend für ihre Biologie: Sie entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut. Was im Volk sichtbar wird, ist damit immer nur ein Teil des tatsächlichen Geschehens.

Varroa gilt weltweit als der bedeutendste Schädling der Bienen. Und sie ist zugleich die einzige Erkrankung, für die in Deutschland überhaupt zugelassene Medikamente zur Verfügung stehen. Das macht die Varroabehandlung zu einer imkerlichen Pflichtaufgabe – nicht zu einer Frage des persönlichen Geschmacks.

Amerikanische Faulbrut: anzeigepflichtig, kein Fall für Eigenregie

Die Amerikanische Faulbrut (AFB) ist eine anzeigepflichtige Bienenseuche. Das heißt konkret: Bereits bei Verdacht muss der Amtstierarzt informiert werden. Das ist kein bürokratischer Selbstzweck, sondern hat einen handfesten Grund – die Sporen des Erregers sind extrem widerstandsfähig. Sie halten hohen Temperaturen bis 120 °C stand und bleiben nahezu unbegrenzt ansteckungsfähig.

Bei einem positiven Befund muss grundsätzlich das gesamte Bienenvolk als befallen angesehen werden. In den meisten Fällen wird der Bienenstand vernichtet, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Das ist bitter, keine Frage. Aber die Zahlen zeigen, dass das System funktioniert: 2022 gab es in Deutschland 72 Ausbrüche der Amerikanischen Faulbrut – durch Meldepflicht und frühzeitige Sanierungsmaßnahmen blieben diese lokal begrenzt.

Neben der AFB besteht nach der deutschen Bienenseuchen-Verordnung außerdem eine Anzeigepflicht für das Auftreten des Kleinen Beutenkäfers und der Tropilaelaps-Milbe. Diese drei Namen sollte jede Imkerin und jeder Imker im Kopf haben.

Kalkbrut: wenn die Larve vom Pilz durchzogen wird

Die Kalkbrut ist eine Pilzerkrankung, verursacht durch Ascosphaera apis. Die Larven werden vom Pilzmycel durchzogen und sterben in der verdeckelten Brutzelle ab. Behandelt wird hier vor allem über Massentracht und Wärme – also über die Bedingungen, unter denen das Volk arbeitet, nicht über ein Medikament.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark bei Bienenkrankheiten die Betriebsweise und die Volksführung wirken. Wo kein Präparat zur Verfügung steht, entscheidet das imkerliche Handeln.

Nosemose: eine Sache des Darms

Die Nosemose gehört zu den Krankheiten der erwachsenen Bienen. Sie wird durch die Einzeller Nosema apis und Nosema ceranae hervorgerufen. Am intensivsten betroffen ist dabei der Darm der Biene. Auch hier gilt: zugelassene Medikamente gibt es in Deutschland nicht, die Vorbeuge steht im Vordergrund.

Vergiftungen durch Pflanzenschutzmittel erkennen

Ein ganz anderes Schadbild zeigt sich bei Vergiftungen durch landwirtschaftliche Pflanzenschutzmittel. Typische Anzeichen sind:

  • plötzlich auftretender erhöhter Totenfall
  • ausgestreckte Rüssel bei toten Bienen
  • flugunfähige, krabbelnde oder zuckende Bienen

Charakteristisch ist, dass die Symptome meist nach wenigen Tagen wieder abklingen. Genau das macht schnelles Handeln so wichtig – wer zu lange wartet, hat am Ende keine belastbaren Hinweise mehr.

Für die Untersuchung solcher Fälle gibt es eine klare gesetzliche Zuständigkeit: Nach § 57 (2) 11 Pflanzenschutzgesetz hat das Julius Kühn-Institut (JKI) die Aufgabe, Bienen auf Schäden durch Pflanzenschutzmittel zu untersuchen. Im Berichtsjahr 2025 wurden dort 63 Bienenschadensfälle mit 543 geschädigten Völkern von 64 betroffenen Imkern gemeldet.

Dass diese Untersuchungen etwas bewirken, zeigt ein bekannter Fall: 2008 stellte das JKI fest, dass eine Vergiftung der Bienen durch Abrieb des Wirkstoffs Clothianidin von Maissaatgut vorlag. Daraufhin setzte das BVL die Zulassung entsprechender Saatgutbehandlungsmittel aus. Wer einen Schadensfall meldet, trägt also zu einer Datenbasis bei, die tatsächlich Konsequenzen hat.

Wo es Unterstützung gibt

Niemand muss das allein stemmen. In Hessen ist beispielsweise das Bieneninstitut Kirchhain für Beratung, Bildung und Fachinformation zu allen Belangen der Imkerei zuständig. Es betreibt Labore mit einem Analyseumfang von rund 6.000 Proben zu Krankheiten, Immunsystem und physiologischen Eigenschaften.

Das Institut hat Tradition: Gegründet wurde es 1928 als Lehr- und Versuchsanstalt für Bienenzucht beim Zoologischen Institut der Universität Marburg. Die Analyse von Bienenkrankheiten ist seit langem einer seiner Schwerpunkte.

Was das für die Praxis heißt

Fassen wir zusammen, worauf es ankommt:

  1. Regelmäßig hinschauen. Brutbild, Totenfall, Verhalten der Flugbienen – vieles zeigt sich früh, wenn man es sehen will.
  2. Varroa konsequent behandeln. Sie ist der weltweit bedeutendste Schädling und die einzige Erkrankung mit zugelassenen Medikamenten in Deutschland.
  3. Vorbeugen statt behandeln. Weil für die übrigen Krankheiten keine zugelassenen Medikamente existieren, sind imkerliche Maßnahmen zur Gesunderhaltung entscheidend.
  4. Bei Verdacht auf Amerikanische Faulbrut sofort den Amtstierarzt informieren. Das gilt schon beim Verdacht, nicht erst beim Befund.
  5. Vergiftungsverdacht melden. Die Symptome klingen nach wenigen Tagen ab – Zeit ist hier der kritische Faktor.

Bienenkrankheiten sind kein Zeichen schlechter Imkerei. Der Umgang damit sagt allerdings viel darüber aus, wie ernst wir unsere Verantwortung nehmen – gegenüber den eigenen Völkern und gegenüber den Ständen der Nachbarn.\

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Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft und überarbeitet.

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