Kurz und klar: Warum das Thema jetzt relevant ist

Pflanzenschutzmittel (PSM) sind ein ständiges Thema für uns Imkerinnen und Imker. Forschung des Instituts für Bienenschutz am Julius Kühn-Institut (JKI) zeigt, dass Wirkstoffrückstände nicht nur in behandelten Kulturen, sondern auch in blühenden Nicht-Zielpflanzen und im Nistmaterial von Wildbienen nachweisbar sind. Diese Befunde schaffen ein Expositionspotenzial für Honig- und Wildbienen und sind relevant für die Gesundheitsentwicklung unserer Völker.

Was die JKI-Forschung aussagt

Das JKI forscht systematisch zu direkten und kombinierten Effekten von PSM auf Honig- und Wildbienen und betreibt die Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen (UBieV). Wichtige Erkenntnisse aus den vorliegenden Untersuchungen und Projekten sind:

  • Rückstände von Wirkstoffen (z. B. Neonicotinoide) können in blühenden Unkräutern um behandelte Felder und im Nistmaterial von Solitärbienen nachgewiesen werden – dies schafft Expositionspfade auch außerhalb der behandelten Kultur.
  • Feldversuche (z. B. NutriBee) zeigen, dass PSM-Exposition zusammen mit weiteren Stressoren wie Nahrungsmangel oder Krankheiten die Kolonieentwicklung, Brutparameter und das Mikrobiom verändern kann. In einigen Versuchen lagen gemessene Konzentrationen entlang des Transferwegs jedoch unter den benannten toxikologischen Schwellenwerten.
  • Arten unterschiedlich reagieren: Honigbienen, Hummeln und Solitärbienen haben artspezifische Empfindlichkeiten, deshalb müssen Risikobewertungen mehrere Arten und realistische Expositionspfade berücksichtigen.
  • Tankmischungen können die Gefährdung verändern – synergistische oder sublethale Effekte sind möglich und machen praxisnahe Prüfverfahren notwendig.
  • Die UBieV dokumentiert meldbare Bienenschadensfälle: Im JKI-Bericht für 2024 sind 49 gemeldete Bienenschadensfälle mit insgesamt 304 geschädigten Völkern verzeichnet worden (Schadensausmaß variiert).

Was das für deine Imkerei bedeutet

Die Forschung zeigt: Exposition ist möglich, die Folgen hängen aber von Wirkstoff, Dosis, Art und zusätzlichen Stressoren ab. Für die Praxis heißt das, wir müssen Risiken minimieren, die Lage beobachten und bei Verdacht richtig handeln.

Konkrete Vorsorgemaßnahmen

  • Standortwahl: Achte bei Neuaufstellung auf Abstand zu großflächigen Behandlungsflächen, wenn möglich. Kleinräumige Barrieren (Hecken, Blühstreifen) verbessern die Vielfalt und können Expositionspfade reduzieren.
  • Wasserstellen: Stelle sichere, saubere Wasserstellen bereit, damit Bienen nicht gezwungen sind, verunreinigte Pfützen an Feldrändern zu nutzen.
  • Fütterung in knapper Zeit: Bei Nahrungsmangel kontrollierte Zufütterung anbieten – immer nach Imkerpraxis und ohne eigene Messwerte vorzutäuschen.
  • Kommunikation mit Landwirten: Spritztermine absprechen, Informationswege nutzen und auf bienenschonende Anwendung (Zeitfenster außerhalb der Blüte) drängen. Der Deutsche Imkerbund gibt hierzu praktische Hinweise zu Stellung und Kommunikation.
  • Vermeidung riskanter Behandlungsfenster: Wenn möglich Völker während intensiver Spritzaktivität beobachten und gefährdete Aktionen melden.

Kontrollpunkte am Bienenstand

  • Regelmäßig Flugverkehr und Sammelbild beobachten (abnormale Flüge, Koordinationsstörungen, tote Bienen vor Flugloch).
  • Brutkontrollen und Gewichtskontrollen zu wichtigen Phasen (Trachtbeginn, nach bekannten Anwendungen in der Umgebung).
  • Bei Auffälligkeiten Fotos, Zeit/Datum, Lage und Menge dokumentieren.

Was tun bei Verdacht auf PSM-Schaden?

  1. Sichere die Situation: Notiere Datum, Uhrzeit, Wetter, benachbarte Feldkulturen und beobachtete Symptome.
  2. Sammle Probe-Material: Tote Arbeiterinnen (in sauberen, trockenen Behältern) und gegebenenfalls befallene Bruträhmchen. Vermeide Verunreinigungen.
  3. Dokumentation: Fotos von toten Bienen, Flugloch, Umgebung sowie Kontaktdaten von benachbarten Betrieben, wenn möglich.
  4. Meldeführung: Kontaktiere die Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen (UBieV) am JKI und informiere dich auf den amtlichen Seiten (JKI, BVL) zu den Melde- und Probenwegen. Ziehe bei Bedarf den Verband (z. B. Deutschen Imkerbund) hinzu.

Hinweis: Die amtlichen Stellen (JKI/UBieV, BVL) führen die fachliche Untersuchung und Bewertung durch. Folge deren Vorgaben zur Probenentnahme und Meldung.

Einschränkungen und offene Punkte

Die genannten JKI-Ergebnisse sind teilweise versuchsspezifisch und regional begrenzt. Dosis-Wirkungs-Grenzen und toxikologische Schwellen variieren je nach Wirkstoff, Bienenart und Expositionsdauer. Langzeitfolgen niedrigdosiger, kombinierter Expositionen sind weiterhin Forschungslücken. Diese Unsicherheiten sollten wir im Kopf behalten, wenn wir Maßnahmen planen.

Mein Tipp für die nächsten Arbeiten am Stand

Überprüfe vor dem nächsten Trachtbeginn die Informationslage in deiner Region (bekannte Anwendungen, Spritztermine), dokumentiere den Zustand deiner Völker und sorge für saubere Wasserstellen. Wenn du Auffälliges siehst: dokumentieren, nicht überstürzt handeln, UBieV informieren. So behältst du die Gesundheit deiner Völker im Blick und schaffst die Grundlage für eine fachliche Untersuchung, falls nötig.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft und überarbeitet.

Quellen

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